Das Alte Forstamt in Altenbeken

Das idyllisch zwischen Wäldern, Feldern und Wiesen im Herzen des Teutoburger Waldes an einem Mündungsarm zweier Bäche in einem grünen Tal gelegene Alte Forstamt im Teutoburger Wald hat eine lange Geschichte. In der Umgebung wurden viele Schaber aus Feuerstein gefunden und sogar Scherben mit Ritzzeichnung aus dem 4 Jahrhundert v. Christus *oder viele mittelalterliche Scherben* (*diese wurden von Archäologen datiert) - dies beweist, dass es hier schon sehr frühe menschliche Besiedlung gab. Schriftlich wird der Wohnplatz an der Durbeke dann erstmals um 1100 als Ortschaft Sellinghusen erwähnt, danach begegnet uns dieser Ort im späten Mittelalter als kirchliche Obödienz* wieder, wird dann eine preußische Dömane und schließlich Oberförsterei und Forstamt. Zahlreiche Oberforstmeister, Oberförster und später Forstmeister und Landforstmeister haben in der langen Geschichte dieser Anlage - die Wälder, den Landschaftspark, den Garten und das Haus geprägt.

1830 wurde die Oberförsterei von Wilhelmsberg bei Neuhaus in das Tal der Durbeke nach Altenbeken verlegt. Zwischen 1830 und der Auflösung des Forstamtes 1972 waren als Dienststellenleiter 13 Oberförster, Forstmeister und Oberforstmeister und deren Familien im Alten Forstamt im Teutoburger Wald beheimatet. Der letzte in dieser Reihe, Landforstmeister Wernher Wiemer, blieb noch bis 1977 mit seiner Frau hier wohnen, bevor er ins gegenüberliegende Forsthaus Neuwald umzog. Nach ihm bezog die vierköpfige Familie Wichert das historische Gebäude und begann mit der behutsamen, denkmalgerechten Restaurierung der historischen Anlage.

Frühe Siedlungsspuren

Das Alte Forstamt liegt an der Stelle des untergegangenen Dorfes Sellinghusen im Mündungswinkel der beiden Bauchläufe Durbeke und Beke. Funde von Feuersteinabschlägen und Feuersteinwerkzeugen der mittleren Steinzeit, Tonscherben der La-Tène-Zeit, Kugeltopfscherben von Gefäßen aus der Zeit um das Jahr 1000 sowie „blau-graue Ware“, gefunden auf dem Grundstück der alten Oberförsterei, beweisen, dass dieser hochwassersichere Siedlungsplatz schon seit Jahrhunderten bewohnt war. Im 11. Jahrhundert erhielt das Kloster Corvey aus „Sirsinchuson“ von den Bewohnern „Reddag, Hilderihc, Didbold und Willigo“ Hafer, Honig und Pech als Zehnten. Die Mitnennung der Orte Widheim, Snocon, Weringhausen und Bechinum (Neuenbeken) belegt, dass „Sirsinchuson“ nicht weit von Neuenbeken lag. In einer Corveyer Zehntliste von 1184 taucht dann die Schreibweise „Silinghusen“ auf. 1142 schenkte Ludolf dem Kloster auf der Iburg 6 Mansen Land zu „Selinchusen“. Später gelangte der Ort in den Besitz des Klosters Gehrden. 1243 wird ein Johannes von Sellinghusen erwähnt. Eine Urkunde aus dem Jahr 1392 nennt einen Koldehof zu „Selinchusen“ zusammen mit dem bei Buke gelegenen Haselkamp und dem Northagen. Zwei Teile des Waldgeldes von den Schmieden zu Beken und der 8. Teil des Zehnten zu „Selhus“ wurden von Johann von der Malsburg an Bischof Rupert von Paderborn verkauft. Nach dem Aussterben der Familie kam der Besitz durch Erbschaft an die Familie von Stapel. Danach fiel der Ort wüst, die Dorfflur kam zunächst als Obödienz (kirchliches Sondervermögen) an das Domkapitel und wurde vom Stadelhof in Paderborn aus bewirtschaftet. Nach dem Aussterben der Familie von Stapel fielen die Grundstücke etwa 1600 ebenfalls an das Domkapitel. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Land an Buker und Altenbekener Bauern verpachtet.

Zählt man sämtliche zu Sellinghausen gehörigen Flächen zusammen, kommt man auf 237 Morgen. Das sind wieder die 6 Mansen von 1142, eine Manse zu je 40 Morgen gerechnet. Von der Fläche der ehemaligen Dorfflur hatte der Nutznießer zwei Scheffel Weizen je Morgen an das Domkapitel zu liefern. Begrenzt wurde die im Westen der Altenbekener Feldmark gelegene Fläche durch die Linie von der Durbeke unter dem Kobenacken her über den Stapelsberg, am Unterhammer vorbei durch die Gründe unter Viets Busch her am Orab und Himmelreich entlang vom Schierenberg zurück zur Durbeke. Letzter Kleriker des Paderborner Domkapitels, der Einkünfte aus Sellinghusen erhielt, war Graf Clemens Vinzenz Nicolaus von der Heyden, genannt von Belderbusch, Domprobst in Aachen und Domherr zu Paderborn, der 1809, also während der sogenannten „Franzosenzeit“, statt der Natural-Einkünfte aus Sellinghusen eine Rente erhielt. Der Domherr war übrigens ein direkter Vorfahr der heutigen Besitzerfamilie des Alten Forstamtes. Nach dem Ende des Königreichs Westphalen wurde Sellinghusen preußische Domäne.

Wohngebäude und Gartenanlage

Das Wohngebäude enthält im östlichen Teil, welcher teilweise unterkellert ist, ältere Bauwerksteile. Einige der Wohnräume haben Mauern mit einer Stärke von bis zu einem Meter, das deutet darauf hin, dass es ursprünglich Aussenmauern waren. Auf dem Hof wurden an den verschiedensten Stellen Mauerreste gefunden, die auf Gebäude hinweisen, beispielsweise die Überreste des früher dort befindlichen Wohnturmes vor der heutigen Scheune, Bodenspuren von Abwasserkanälen an verschiedenen Stellen auf dem Grundstück. Das heutige Wohnhaus wurde etwa 1830 erbaut und dann 1849 nach Zeichnungen des königlichen Bau-Inspektors Baldamus aus Paderborn stark erweitert. Vorbild war allem Anschein nach das „Schweizer Haus“ auf der Pfaueninsel bei Potsdam.

Die Anlage des Gartens erfolgte als „Deutscher Garten“, der Nahbereich geometrisch angelegt und mit Buchsbaum begrenzt, der Fernbereich durch Busch- und Baumgruppen als Landschaftsgarten nach englischen Muster gestaltet. Die Gartenanlagen entstammen der Zeit von 1833 bis 1839 und wurden nach den Plänen von Forstadjunkt Joly gestaltet, der später Rentmeister bei der Familie Gaugrebe in Bruchhausen wurde. Auch die Anpflanzung seltener Pflanzen, wie zum Beispiel der gefüllten Schneeglöckchen, Jasmin, Obstbäume und Weinstöcke gehen auf Joly zurück.

Der heute in Hausnähe wieder hergestellte historische Gartenanlage wurde nach einem Luftbild aus dem Jahre 1945 in den früheren Zustand versetzt. Ab 1977 begann die Familie Wichert Buchsbaumrabatten anzupflanzen, errichtete Holzpergolen, legte Rabatten für die historischen Rosensorten an und legte einen Gemüsegarten sowie Kräuterbeete an. Es wurden Johannisbeersträucher und Stachelbeersträucher angepflanzt. Wie beim historischen Vorbild wurden die Gartenwege mit weißem Kies eingestreut, außerdem wurden Wasserstellen und Brunnen zur Versorgung der Pflanzen und Tiere angelegt. Ein von Buchsbaum eingefasstes „Rundes Beet mit Sonnenuhr in der Mitte“ entstand ebenfalls und plötzlich passten die Sichtachsen zwischen den historischen Gebäuden und den umgebenden Alten Bäumen und dem Landschaftspark wieder. Die 150 Jahre alten Linden auf der Schafweide vor dem Haus beherrschen die Umgebung und sind wichtig für den Landschaftspark in der Umgebung des Hauses.

Auch die Weide wurde neu eingezäunt, es wurden Vogelschutzgehölze und ein Sichtschutz angepflanzt. 1988 wurde der Pavillon im Garten nach historischem Vorbild wieder neu errichtet (neu gezeichnet von Architekt Uwe Schwekendiek). Rund um den Pavillon entstanden Kräuterbeete und es wurden auch hier weitere Sträucher, wie z.B. Himbeeren und Brombeeren angepflanzt. Der Bau eines Bienenhaus rundete die naturnahe Gartengestaltung ab.

Auf dem Hof entstand ein Zwischenbau mit Uhrengiebel als Heu- und Strohlager zwischen dem Holzschuppen/Hühnerstall und dem Stall für Schafe und Pferde. Zum größten Erstaunen der Eigentümerfamilie kam bei den bei den Bauarbeiten ein historischer Schlussstein in der gleichen Form wie die neuen Schlusssteine zutage – ein Beweis, dass dort früher ein ähnliches Gebäude gestanden haben muss. – Auf dem Hof wurden sternförmig gepflasterte Wege angelegt, ein Hundezwinger erbaut und in der Mitte des Hofes vor dem „Großen Haus“ wurde ein Walnussbaum gepflanzt. Weitere Baumaßnahmen wie etwa die Anlage eines Brunnens auf dem Hof wurden durchgeführt. Schließlich wurde das „Kleine Haus“, das ehemalige Bürogebäude des Forstamtes, zu einem Wohnhaus umgebaut. Die Baumaßnahme beschränkte sich auf die behutsame Modernisierung und Gestaltung der Innenräume und ließ die Außenansicht unangetastet. Aufgrund eines Wasserschadens an der Gebäudefront wurde es allerdings notwendig, die Wetterseite des „Kleinen Hauses“ mit Holz vor den Unbillen der Witterung zu schützen.

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