Das Alte Forstamt im Teutoburger Wald zu Preussischer Zeit

Das Alte Forstamt im Teutoburger Wald,  romantisch im schönen Tal der Durbeke zu Altenbeken gelegen, wurde unter der Aegide des Preussischen Königs Friederich Wilhelm IV von Preussen durch seinen Baumeister Baldamus zu seiner heutigen Form umgebaut. Noch heute erinnert der Schriftzug FWR (Friederich Wilhelm Rex) über der Haustür an diese Zeit.

Friederich Wilhelm IV (*15. Oktober 1795 Berlin * 2. Januar 1861 Potsdam), der romantische König auf  Preussens Thron war ein echter Schöngeist, liebte Kunst und Kultur und die Architektur (er war selbst ein passabler Zeichner) und er liess sich von italienischen Baustilen, antiken Ruinen, Gärten in Rom und Florenz beinflussen. Der König legte auch grossen Wert darauf, dass  „Architektur harmonisch in die Landschaft einzubinden und malerisch zu gestalten sei.“* (Textpassage aus einer Ausstellung über den Fr. August Stüler, der Architekt des Königs in Sanssouci*). Und das Alte Forstamt liegt, so lässt sich noch heute unschwer erkennen, genauso, wie vom König beschrieben in der Landschaft. Die Architektur des grossen Hauses mit seiner flachen Schweizer Dachform ist inspiriert vom "Schweizer Haus auf der Pfaueninsel in Potsdam" und die schwarzweissen Fachwerkfassade, die grünen Läden und der historischen Garten bilden eine harmonische Einheit mit der umgebenden Natur.

Das Alte Forstamt wurde um 1830 erbaut und dann 1849 nach Zeichnungen des königlichen Bauinspektors Baldamus aus Paderborn stark erweitert. 1849 erhielt das Haus auch einen Balkon und eine Terrasse am Eingang nach Süden. Der heute noch vorhandene Balkon ruht auf Sandsteinsäulen. Der Balkon bildet eine der Achsen des Hauses und durch die Fachwerkgestaltung wirkt das Haus mit seinen Grünen Läden und den Schwarzen Balken und dem weissen Mauerwerk sehr harmonisch. Das Mauerwerk besteht, wie es im damaligen Preussen üblich war aus Backsteinen. Diese wurden dann weiss überstrichen.

Den Forstmeistern und dem Architekten gelang es in hervorragender Weise, das Haus in die Umgebung aus Garten, Wald und zu integrieren und es als zentralen Teil eines Gesamtensembles in einer„arkadischen Landschaft“ anzulegen.

Die beiden uralten Linden, die sich auf der Schafweide auf der Südseite des Hauses befinden, bilden  eine der Achsen des Hauses. Die Blickachse die sich dem Betrachter vom Haus aus auf die beiden Linden bietet, streift über die Sonnenuhr im Rondell im Garten. Hier fuhren zu preussischer Zeit die Kutschen vor, die Herrschaften stiegen aus und der Kutscher lenkte die Kutsche zum Eingang auf der Hofseite und wartete dort. Sicherlich wurde er dort von der Köchin mit einer guten Suppe versorgt..

Die Lindenbäume markieren noch heute den Weg zum ursprünglichen Haupteingang des Hauses auf der Südseite, denn in der preussischen Zeit fuhr man mit der Kutsche oder ritt zu Pferde durch die Linden und nahm den Weg auf das Haus zu. Die heutige Terrasse mit dem Balkon markiert den Haupteingang. Noch heute ist die grosse Eingangstreppe schön mit Blumenkübeln die mit Agapanthus bepflanzt sind, flankiert.

Der preussische Prinz (und spätere König Friederich Wilhelm der IV) war im Juli 1853 im Alten Forstamt im Teutoburger Wald zu Gast. Er hat am 21.07.1853 den Viadukt eingeweiht. Er hat damals im Alten Forstamt übernachtet. An diesem Tage soll er auch geäussert haben.."ich hatte erwartet eine Brücke von Gold (in Altenbeken) vorzufinden - weil sie soviel Taler verschlungen hat.

Der "kleine König", Garten und Landschaftspark der preussischen Forstmeister*

Der sogenannte „kleine König“(der kleine Wald hinter dem Haus wurde so benannt zu Ehren des damaligen Prinzen Friederich Wilhelm IV, der zur Einweihung der Preussisch Westfälischen Eisenbahn im Haus weilte und dort Quartier nahm). Später diente das Arboretum, von den Forstmeistern und von uns heute noch "***der Kleine König" genannt, dann den Jungförstern als Lehrwald. In diesem Wald lustwandelten die Bewohner man mit Freunden und erfreuten sich an der Schönheit der exotischen Bäume und Pflanzen des Arreals.

Forstmeister Erdmann und sein Forstadjunkt "Jolly" (war später Verwalter bei Fam. Gaugreben in Bruchhausen) gestalteten den Wald, den Garten und die Umgebung des Hauses als Parklandschaft nach Vorbildern in Berlin. So wurde in dem kleinen Wald ein Monopteros-Pavillion (ist auch auf zeitgenössichen Stichen erkennbar) errichtet worden und Forstmeister Erdmann liess in diesem Waldstück auch Menagerien für Singvögel und Hühnervögel aufstellen. Es wurden dort Nachtigallen, Finkenvögel, Wachteln und Fasane gehalten. In uns vorliegenden Briefen der Familie Erdmann ist mehrfach davon die Rede, dass  Paderborner und Altenbekener Bürger mit Ihren Kutschen und zu Fuss am Wochenende zum Alten Forstamt (damals Oberförsterei genannt) kamen und die Vögel in den Volieren und den Garten bewunderten. Ausserdem gab es im Wald eine Kegelbahn und eine Grotte* (*die heute noch sichtbar ist). Die Dianagrotte so nannte Erdmann dieses kleine Bauwerk, nutzte der Forstmeister für seine abendlichen Weinproben**.  **Anmerkung wir haben an dieser Stelle tatsächlich einige Scherben von Gläsern und Flaschen gefunden.

Auf der Spitze des kleinen Hügels, dem Kleinen König ***der hinter dem Haus liegt und der mehr als 150 verschiedene Baumsorten beherbergt, befindet sich ein kleiner Försterfriedhof. Auf diesem Friedhof sind Familienmitglieder der Forstmeister, die als preussische Beamte evangelisch waren, bestattet worden. Dieser Friedhof ist durch einen Weg der durch den Wald führt erreichbar.

Durch den Wald führten verschiedene kleine Wege, die auch heute noch erkennbar und begehbar sind. Hinter dem Haus wurde eine Hainbuchenallee angelegt, auch diese ist noch rudimentär erkennbar. Am Ende dieser Allee befindet sich eine alte Eiche, die innen hohl ist.

So haben die preussischen Förster und Forstmeister ein geschichtliches Erbe hinterlassen, das es zu erkennen und zu erhalten gilt.

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